Das Ende der Freiheit
Wenn Eltern irgendwo mit ihrem neugeborenen Kind auftauchen, beteuern alle auf der Stelle, wie unglaublich süß das Baby sei. Herzliche Gratulation! Alle Welt freut sich mit dem jungen Glück, denn Kinder sind ein Segen. Niemand käme auf die Idee, den Eltern zu sagen: “Oh, das tut mir aber leid für Sie, dass Sie jetzt ein Kind haben!”
Die Norm, dass Kinder vor allem ein Segen zu sein haben, ist noch recht jung. Als es noch keine sicheren Verhütungsmittel gab, kamen die Kinder einfach, ob sie nun gewollt waren oder nicht. Dass Frauen im gebärfähigen Alter Kinder bekamen, war der kaum zu beeinflussende Normalzustand. Kinder konnten Glück oder Unglück und oftmals beides gleichzeitig bedeuten.
Heutzutage ist die Empfängnisverhütung relativ einfach und sicher. Die Folge ist eine ausgeprägte Wunschkind-Ideologie. “Was wollen die denn? Die konnten sich doch frei eintscheiden, die hätten das Kind doch nicht kriegen müssen!”, heißt es oft über Mütter und Väter, die nach der Geburt ihres Kindes nicht nur Glück und Seligkeit ausstrahlen.
Als der Nachwuchs noch nicht so planbar war wie heute, durften Eltern nach der Geburt eines Kindes ganz selbstverständlich auch zwiespältige oder negative Gefühle haben. Es war kein Drama, wenn eine junge Mutter im Wochenbett unglücklich war. Sie durfte weinen, fluchen und jammern. Im guten Fall schenkten ihr die Frauen, die sich um dich Wöchnerin kümmerten, Trost und Zuwendung. Ein Kind geboren zu haben, galt eben nicht nur als großes Glück. Es konnte ebenso Anlass für Verzweiflung und Wut sein.
Ebenfalls aus früheren Zeiten stammt ein noch in manchen Gegenden üblicher Brauch: Junge Väter treffen sich nach der Geburt ihres Kindes mit anderen Männern, um in feuchtfröhlicher Atmosphäre Abscheid von der Ungebundenheit zu nehmen. Gleichzeitig soll natürlich auch das freudige Ereignis gefeiert werden.
