Mutter und Kind
Durch die Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit sind Mütter auf eine sehr enge körperliche Weise mit dem Kind verbunden. Diese Nähe ist etwas ganz Besonderes, das viele Frauen sehr genießen. Väter können nur bedingt daran teilhaben.
Aus dieser “Besonderheit” wird leider oft eine Alleinzuständigkeit der Mutter für das Kind abgeleitet. Unsere Gesellschaft handelt die Mutter-Kind-Beziehung unverändert außerordentlich hoch und idealisiert in der Folge ein oftmals überzogenes und unrealistisches Mutterbild.
Viele Mütter fühlen sich dadurch unter Druck gesetzt, alles besonders gut machen zu müssen. In den Verdacht, eine “Rabenmutter” zu sein, möchte keine Frau kommen. Mütter, die weiterhin berufstätig sein wollen oder dies aus finanziellen Gründen müssen, sehen sich jedoch häufig diesem Vorwurf ausgesetzt. Sind sie nicht berufstätig und haben sie ganztags die Familienarbeit übernommen, besteht dagegen die Gefahr, dass sie sich in ihrer Mutterrolle verlieren. Dann stehen sie mit einem Mal unter dem Druck, bei so viel Zeit sowohl die Kindererziehung als auc hden Haushalt locker im Griff haben zu müssen.
Nicht selten ergibt sich daraus eine Konkurrenzsituation unter Frauen, die sich für unterschiedliche Wege entschieden haben. Wegen der Angst, das eigene Modell könne falsch sein, wird es dann mit allen Kräften verteidigt. Leider bleibt dabei die Solidarität unter Frauen, die gerade in dieser Phase des Lebens wichtig ist, oft auf der Strecke.
Egal für welches Familienmodell sich Frauen entscheiden: Es ist nicht leicht, sich von überzogenen Mutterbildern abzugrenzen und das Gefühl für die eigenen bedürfnisse zu erhalten.
Neben der Gefahr, sich als Mutter zu überfordern, vermindern überzogene Mutterbilder auch die Chancen der Väter, Verantwortung für das Kind zu übernehmen. Frauen, die sich ihren Partner als aktiven Vater wünschen, tun jedenfalls gut daran, nicht ständig zu kontrollieren, ob er auch alles richtig macht.
Hilfreich sind klare und verbindliche Absprachen: Wer ist wann für das Baden, Wickeln, Aufpassen, Beruhigen und für Arztbesuche zuständig? Je präziser die Absprachen, umso besser!
