Vater und Kind
Auch die Vaterrolle ist gesellschaftlich von starren Vorstellungen geprägt. Die Erwartung lautet: “Ein Mann muss ausreichend Geld verdienen, damit er seine Familie ernähren und ihr etwas bieten kann.” Männer, die sich mehr Zeit für das Zusammensein mit ihrer Familie nehmen, werden zwar zunehmend akzeptiert. Aber es darf nicht zu viel sein, damit sie nicht aus dem Rahmen fallen. Tun sie es trotzdem, sinken ihre “Männlichkeitswerte” häufig dramatisch.
Viele Väter stürzen sich daher nach der Geburt ihres Kindes auf den Beruf, um ihrem gesellschaftlichen Auftrag zu entsprechen. Die Ernährerrolle füllen damit zwar vorbildlich, aber ihre Beziehung zum Kind kommt dabei oft zu kurz.
Männer tun sich zudem manchmal schwer, zu sehr kleinen Kindern eine innere Verbindung herzustellen. Gut möglich, dass im eigenen Elternhaus für die Versorgung der Kinder ausschließlich die Mutter zuständig war und es am männlichen Vorbild fehlt. Vielleicht denkt der Mann auch, dass seine Partnerin ohnehin viel besser mit dem Kind umgehen kann, und hat Angst, Fehler zu machen. Oder er findet das enge Zusammensein mit einem Säugling in gewisser Weise unmännlich.
Ein Kind kann jedoch nicht nur bemuttert, sondern gleichzeitig auch intensiv “bevatert” werden. Die Unsicherheit schwindet von Tag zu Tag, je mehr Kontakt der Vater mit dem Kind hat. Was Vater und Kind in den ersten Lebensjahren miteinander an Vertrautheit, Sicherheit und Spaß erleben, bildet eine Grundlage für ihre Beziehung. Der Partnerin nach der Stillzeit ein paar Tage Urlaub zu schenken und die Zeit allein mit dem Kind zu verbringen, ist für Väter eine große Chance. Hier können sie Alltag pur mit ihrem Kind erfahren. Sie werden fortan besser verstehen, was es heißt, ein Kind zu versorgen, es zu trösten, zu pflegen oder zum Lachen zu bringen. Das Wichtigste aber, das sie dabei lernen, ist, dass ihnen all das auch wirklich gelingt.
Je selbstverständlicher sich ein Vater am Familienalltag beteiligt, umso geringer ist die “Gefahr”, dass allein die Frau die Standards im Umgang mit dem Kind setzt.
Väter sollten ihre eigenen Gedanken und Wünsche einbringen. Dabei kann das Paar durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber haben, wie ein Kinderzimmer aussehen soll, wie man ein Kind anzieht, wann man es ins Bett legt, wie man es versorgt und ernährt. Jeder hat seinen eigenen Stil. Da können beide eine Menge voneinander lernen.
